Wiederaufbau Eifelstrecke

Eifelstrecke

Wiederaufbau der Eifelstrecke

Die schweren Unwetter im Juli 2021 haben die Bahninfrastruktur in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in einem historischen Ausmaß getroffen. Besonders Brücken- und Stützbauwerke sowie Stellwerke entlang der Strecken wurden beschädigt und teils vollständig zerstört. Hinzu kommen rund 600 Kilometer Gleise, 180 Bahnübergänge sowie 100 Bahnhöfe, die wieder aufgebaut werden müssen.

Für die Instandsetzung der Eifelstrecke von Hürth-Kalscheuren bis Trier-Ehrang hat sich die Deutsche Bahn (DB) einen ambitionierten Zeitplan gesteckt: Bis Ende 2023 soll die über 160 Kilometer lange Strecke wieder befahrbar sein. Dafür steht die DB im engen Austausch mit Bund, Ländern und Gemeinden. Das vordringliche Ziel dabei ist, dass die Menschen in der Region wieder mit dem Zug fahren können. Um für zukünftige Extremwetterlagen aufgestellt zu sein, wird die Infrastruktur, überall wo es möglich ist, klimaresilient wieder aufgebaut. So werden zum Beispiel schlankere Brücken ohne Mittelpfeiler errichtet sowie Bahndämme, Durchlässe und Technik hochwasserfest gestaltet. Neue Stellwerke werden, sofern es die örtlichen Bedingungen erlauben, auf höher gelegenen Standorten errichtet. 

Damit die Eifelstrecke nach dem Wiederaufbau auch den Anforderungen an einen modernen und klimafreundlichen Schienennahverkehr genügt, wird die Strecke mit einer modernisierten Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet (Elektronische Stellwerke). Gemeinsam mit den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz plant die DB zudem, die Eifelstrecke bis Ende 2026 zu elektrifizieren. Dabei setzen die Projektpartner:innen vor allem auf ein beschleunigtes Planungsverfahren. 

Der Fortschritt des Projektes wird auf dieser Seite stetig aktualisiert.

zerstörte Gleise Eifelstrecke

Vorher-Nachher Vergleich, Wiederaufbau der EifelstreckeDB Netz AG

Kallertunnel

Vorher-Nachher Vergleich, KallertunnelDB Netz AG

Auf dem Großteil des nordrhein-westfälischen Teils der Eifelstrecke können Reisende wieder mit dem Zug fahren: Bereits kurz nach der Flut, Anfang September 2021, war der Abschnitt zwischen Hürth-Kalscheuren und Euskirchen wieder in Betrieb gegangen. Seit dem 23. April 2022 rollen die Züge auch zwischen Euskirchen und Mechernich wieder. Zum Sommer-Fahrplanwechsel am 12. Juni kam der Abschnitt von Mechernich bis Kall hinzu. Der stark zerstörte Abschnitt von Kall bis Nettersheim wird ab Mitte August 2022 wieder aufgebaut und soll bis Ende 2023 wieder befahrbar sein. 

Dafür packen die Fachkräfte allein zwölf Kilometer Gleise, acht Durchlässe und mehrere Brücken zwischen Kall und Nettersheim an. Eine davon ist die Eisenbahnüberführung (EÜ) Urftfluss bei Sötenich, die komplett neu errichtet werden muss, da die Flut ihre Bögen stark beschädigte. Außerdem baut die DB an vielen Stellen weggespülte Bahndämme wieder auf. Gleichzeitig wird die Stellwerkstechnik komplett erneuert.

Rückblick: Schäden & Wiederaufbau von Euskirchen bis Kall

 
Seit Dezember 2021 arbeiteten die Fachfirmen zwischen Euskirchen und Kall sieben Tage pro Woche im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb, um die ca. 25 Kilometer lange zweigleisige Strecke schnellstmöglich wieder befahrbar zu machen. Auf dem gesamten Abschnitt mussten sie zerstörte Gleise, Bahnkörper, Bahnsteige und die Signaltechnik wiederherstellen. Die Abwicklung der Baustellenlogistik erfolgte zum Großteil über die Schiene. 

Ein Schwerpunkt der Bauarbeiten auf dem Abschnitt bis Mechernich war der Bereich rund um den Bahnhof Satzvey, wo die Bahnsteige unterspült bzw. weggespült und das mechanische Stellwerk stark beschädigt worden sind. Hier wurden u. a. die Bahnsteige wiederaufgebaut, das mechanische Stellwerk instandgesetzt und der Gleisschotter gereinigt. Erst mit Abschluss dieser Schadensbeseitigung konnte der südliche Bereich bis Kall mit den notwendigen Umbaufahrzeugen, wie der Stopfmaschine, angefahren werden. 

Im weiteren Verlauf der Strecke hatte die Flut den Bahnhof Kall und den Bereich vor dem Kaller Tunnel in weiten Teilen überspült. Deswegen hat die DB den verschlammten Streckenabschnitt mit einer sogenannten Bettungsreinigungsmaschine aufwändig von Geröll und Ablagerungen befreit. Vor dem Kaller Tunnel waren die Gleise so stark verschmutzt, dass diese mitsamt Untergrund vollständig erneuert werden mussten. Außerdem haben die Fachkräfte Bahnsteige und Bahnübergänge erneuert, schadhafte Schwellen ausgetauscht und Signale sowie die Leit- und Sicherungstechnik instandgesetzt. Um das Gleis wieder in die richtige Lage zu bringen und das Schotterbett zu stabilisieren, hat die DB auf dem gesamten Abschnitt zwischen Mechernich und Kall außerdem Stopfarbeiten durchgeführt. 

Eifelstrecke in Rheinland-Pfalz: Nettersheim – Trier-Ehrang 

In Rheinland-Pfalz können Reisende zwischen Trier-Ehrang und Auw an der Kyll seit Februar ein Mal pro Stunde und Richtung mit dem Zug fahren. Für die Instandsetzung des Streckenabschnitts hat die DB knapp 15 Kilometer Oberbau mit Gleisen, Schwellen und Weichen erneuert und gereinigt. Zudem mussten drei Brücken repariert werden. Die Bauteams setzten außerdem drei Stellwerke instand. Um die Kommunikationsverbindungen zwischen Weichen und Signalen wiederherzustellen, prüften die Spezialist:innen ca. 55 Kilometer Kabel und tauschten diese zum Großteil aus. 

Seit dem 21. Juni fahren zwischen Auw an der Kyll und Kyllburg wieder die Züge. Die DB hat dafür die von der Flut zerstörte Infrastruktur auf rund 20 Kilometern rundum erneuert. Die Stellwerke in Speicher und Philippsheim sind ebenfalls instandgesetzt und steuern die Weichen und Signale auf der Strecke. Fahrgäste können die Stationen Speicher, Philippsheim, Hüttingen, Bitburg-Erdorf und Kyllburg zum Ein- und Ausstieg in die Züge nutzen. Diese fahren täglich ein Mal pro Stunde und Richtung. Durch das verbesserte Angebot entfällt der Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Auw an der Kyll und Kyllburg. Die DB setzt die Arbeiten nun an der Eifelstrecke bis Gerolstein fort. Der Wiederaufbau von Gleisen, Schwellen und Weichen wird – mit Blick auf die derzeitige Materialverfügbarkeit am Markt – wenige Monate später als ursprünglich geplant noch in diesem Jahr abgeschlossen sein.  

Im letzten Schritt folgt der Streckenabschnitt nach Nettersheim, der von den Wassermassen besonders stark geschädigt wurde. Zwischen Ehrang und Nettersheim bringt die DB allein mehr als 20 von der Flut beschädigte Brücken und Stützbauwerke wieder in Schuss. Knapp 25 Bahnübergänge bedürfen einer umfangreichen Instandsetzung. Zudem muss im Abschnitt Gerolstein–Ehrang die Stellwerkstechnik komplett erneuert und im folgenden Abschnitt Gerolstein bis Nettersheim rundum instand gesetzt werden. Das Gleiche gilt für insgesamt rund 50 Kilometer Gleise und zehn Kilometer Bahndamm.